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Scham - die unsichtbare Fessel

Aktualisiert: 15. Feb.

Jede(r) kennt sie, die Scham. Jede(r) hat sie, niemand will sie. Was für ein intensives Gefühl, wenn es denn auftaucht. So überwältigend, so klein haltend, so blockierend. Scham ist jenes Gefühl, das dir einredet, dass du "ein Fehler bist". Sie trifft ohne Umschweife direkt auf den Selbstwert und lässt dich einknicken.

Und doch ist es wichtig, dass wir Schamgefühle kennen, natürlich. In diesem Blogartikel soll es nicht darum gehen, warum eine gesunde Scham wichtig ist. Es soll um jene Scham gehen, die keiner Natürlichkeit entspringt und dich klein und unscheinbar zurück lässt.

Hast du dich schon einmal gefragt, wie dein Leben aussehen würde, wenn du die erdrückende Last der Scham ablegen könntest? Oder anders gefragt: Was hast du alles verpasst, wegen der Scham?


Was führt zu einer toxischen Scham? Scham entwickelt sich früh im Leben und oft auch wirklich sehr früh. Unser Kopf kann sich manchmal gar nicht vorstellen, wie weit eine emotionale Verletzung zurückgehen kann. Deshalb ist es möglich, dass Schamgefühle im jüngsten Kindesalter entstehen können und sich ihren Weg bin ins Erwachsenenalter bahnen. Wenn Kinder zum Beispiel wegen ihrer natürlichen Bedürfnisse oder Missgeschicke herabgewürdigt werden und daraus eine Abwertung und Blossstellung entsteht, kann das Narben hinterlassen. Manchmal werden Kinder aufgrund ihres Verhaltens ausgelacht und nicht ernst genommen. Was mir auch begegnet sind Schamgefühle aufgrund eines erlebten Missbrauchs. Das Opfer dreht den Spiess um und schämt sich für das Geschehene. Es übernimmt dafür unbewusst die Verantwortung, auch in Zusammenhang mit Schuldgefühlen. Weitere verbreitete Schamgefühle sind, auf den Körper bezogen, gerade bei Frauen zu finden. Das hat, nebst möglichen familiären Themen, auch gesellschaftliche Hintergründe. Nicht nur, haben viele Frauen ihre eigenen Mütter in ihrer Scham erlebt, sondern die Gesellschaft zeigt dem Mädchen, wie es zu sein hat: Brav, leise, nicht emotional und wenn möglich angepasst - und - hübsch wäre noch ganz gut. Das alles führt dazu, dass sich Frauen für ihre Körper, ihr Verhalten und ihre Emotionen schämen. Du siehst, es gibt viele Formen der toxischen Scham und die Aufzählung ist hiermit noch lange nicht abgeschlossen. Wer unter einer "chronischen, toxischen Scham" leidet, lebt sein Leben nicht frei. Das zeigt sich unter anderem durch einen ausgeprägten Perfektionismus (die Angst, entlarvt zu werden, führt zu dem Versuch, unfehlbar zu sein. Hier wirkt der Perfektionismus als Schutz), harte Selbstkritik (der "innere Kritiker" übernimmt die Stimme derer, die einen früher beschämt haben), körperliche Symptome (Scham aktiviert das Nervensystem. Typische Anzeichen sind Vermeiden von Blickkontakt, Erröten oder eine zusammengesunkene Körperhaltung), gestörte Intimität (zieht sich vor Nähe zurück und verschliesst sich), Rückzug (Angst "wirklich gesehen" zu werden und dadurch abgewiesen zu werden). Die Scham dient in jedem Fall als Schutzmechanismus und setzt dann automatisch ein, wenn das Nervensystem überlastet ist und deshalb entscheidet, das Schutzschild hochzufaren.


Scham kann sehr stark sein und verhindert erfolgreich, das du (solltest du dich "chronisch" beschämt fühlen) dein Leben so leben kannst, wie es dir zusteht. Sie verhindert, dass du dein Ressourcenpaket auspackst und deine tiefsten Bedürfnise und Wünsche wahrnimmst. Sie lässt es nicht zu, dass du dich in deinem Kern entdecken wirst. Du wirst dich klein halten, zurückhalten, auf der Stelle treten, weil eben auch dein Selbstwertgefühl davon betroffen ist.


Was ist nun die Lösung? Wie jedes Gefühl, ist auch die Scham eine Informationsquelle. Sie zeigt dir auf, wo Scham gesund wäre und wo sie es nicht ist. Was nicht gesund ist, dient weder deinem Leben, noch deinem Körper und auch nicht deiner Psyche. Sie verhindert dein Wachstum im Leben, sie stört den Fluss. Das ist nicht natürlich, denn einfach alles im Leben ist immer wieder im Wachstum, in der Veränderung oder im Fluss. Nichts bleibt so, wie es ist. Alles ist Bewegung. Wer sich der Scham gegenüberstellt, erkennt ihre Botschaft dahinter. Wer sich mit der Botschaft, also dem "warum ist sie entstanden" wirklich auseinandersetzt, erkennt etwas, das lange als verloren galt: Selbstwürde, Mut, Klarheit, Selbstsicherheit. Die Türe öffnet sich für ein natürliches Selbstwertgefühl. Das authentische Leben kann dann beginnen. Und ist das am Ende nicht das Ziel? Manchmal frage ich: "Stelle dir vor, du bist am letzten Tag deines langen und gesunden Lebens angekommen und du blickst zurück. Was würdest du über dein Leben sagen wollen?" Was wäre deine Antwort darauf? Deine ehrliche Antwort zeigt dir vieles über deine aktuellen Stolpersteine auf.


Mein Angebot Seelenwerk habe ich gerade auch für solche, meist etwas hartnäckigeren Gefühle, ins Leben gerufen. Selbstbewusstsein baut sich nicht an einem Tag auf, Scham verliert man meist nicht über Nacht. Es bedarf einem bedachten Heilungsweg, wo man gesehen und gehört wird und in einem sicheren Umfeld die Möglichkeit erhält, seiner tiefen Scham in Echtheit zu begegnen. Dann kann sie sich wandeln.



 
 
 

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