Die Frau und ihr Verfallsdatum
Wahrscheinlich seit immer wurde nie wirklich über die Perimenopause und die danach folgenden Wechseljahre gesprochen. Seit geraumer Zeit hat sich das geändert und das ist sehr wichtig. Was über viele Jahre hinweg klein geredet wurde, bekommt nun endlich die notwendige Beachtung, was für fast alle Frauen wirklich wichtig ist. Denn man weiss heute, dass viele Beschwerden mit den Veränderungen der Hormone in Zusammenhang stehen können, deutlich mehr Beschwerden, als die bekannten Hitzewallungen oder Stimmungsschwankungen. Für jede Frau, die leidet, ist jedes Mehrwissen ein Segen, weil es nicht weiter schwammig bleibt, sondern greifbar wird. Wie alles, hat diese Medaille aber auch eine Kehrseite und diese andere Seite gibt mir zu denken. Scrollt man derzeit durch die sozialen Medien oder schlägt man ein Magazin auf, begegnet uns dieses Thema unentwegt, aber leider mit einer frustrierenden und unterschwelligen Botschaft, nämlich: Als Frau hat man ein Verfallsdatum, ab Anfang Vierzig, spätestens jedoch mit Ende Vierzig, Anfang Fünfzig. Es wird uns Frauen seit Monaten immer wieder suggeriert, dass unser Körper ein Problem ist und die einzige Lösung dafür sind - wie immer - Medikamente. Das kann ein grosser Segen sein und ist für viele bestimmt wichtig, aber mich dünkt es, dass aus einem "Mangel" gerade ein sehr erfolgreiches Geschäftsmodell am entstehen ist. Mir ist aber noch etwas ganz anderes wichtig, nämlich, was Suggestionen mit unserem Gehirn, mit dem ganzen Körper machen. Wer immer wieder hört, dass der eigene Körper kaum in der Lage ist, Wechseljahre zu meistern, wird das irgendwann glauben. Was wir glauben und verinnerlichen, beeinflusst unseren Körper. Das ist nichts neues. Stell dir aber vor, eine ganze Generation wächst damit auf und hört über Jahrzehente hinweg, dass der einzige Weg die Wechseljahre zu "überstehen" ist, Hormone zu sich zu nehmen, dann hat das ebenso einen nachhaltigen Einfluss auf Körper. Wir wissen dann mit Anfang Zwanzig schon, dass es mit Anfang Vierzig problematisch wird, spätestens jedoch mit Anfang Fünfzig. Die Weiblichkeit mit Ablaufdatum. Das ist absolut absurd und gefährlich. Es bringt uns vom Vertrauen zu unserer eigenen Biologie weg und steuert uns direkt in eine weitere Abhängigkeit. Es führt in eine weitere Machtlosigkeit.
Aber ja, Wechseljahrbeschwerden sind ein Thema und es ist gut und wichtig, kommt es auf den Tisch und ich bin auch sehr dafür, dass sich die Wissenschaft ernsthaft darum kümmert.
Also ja, es ist ein Problem. Doch woher kommt das? Den medizinischen Teil kann ich nicht abdecken, ich bin keine Ärztin. Was ich aber sehr wohl hintefrage ist, ob dieses Ausmass an Frauen die es betrifft, wirklich nur mit der Biologie in Zusammenhang steht. Ich bezweifle das. Nebst allen schulmedizinischen Angeboten, die genutzt werden, dürfen wir uns folgende Fragen stellen:
Warum kam der Körper aus dem Gleichgewicht?
Was hat das Thema Wechseljahre vielleicht mit gesellschaftlichem Druck zu tun?
Welche (Stress)-Themen beeinflussen die Hormonoe negativ?
Hören wir auf den eigenen Körper oder übergehen wir ihn?
Was denken wir selbst über das Älterwerden?
Wie betrachten und erleben wir die Weiblichkeit ganz individuell?
Wie viel Druck lastet auf einer Frau ganz individuell?
Wie ist die persönliche Biografie?
Welche Muster und Prägungen spielen eine wesentliche Rolle?
Geht man mit diesem Thema tiefer und entscheidet man sich, die eigene Geschichte dahinter zu betrachten, kommt mant wieder in eine Ganzheit. In eine Ganzheit, welche die Medizin nicht ausschliessen muss, aber in eine Ganzheit die es ermöglicht, durch die Arbeit mit dem Unterbewusstsein, tief liegende Themen dazu zu lösen und dem Körper damit zu helfen, die Perimenopause und die darauffolgenden Wechseljahre anzunehmen und gut zu durchlaufen. Es ist dermassen wertvoll und wichtig, seinen Körper auf einer Ebene zu verstehen, die sonst nicht beachtet wird. Es ist auch deshalb wertvoll, weil unsere Körper auf uns reagieren, nicht auf das was wir an der Oberfläche denken oder darstellen, sondern auf das, was in uns tief emotional verankert ist.
Eine Frau hat kein Verfallsdatum. Sie ist in jeder Phase ihres Lebens einzigartig. Als Frauen, die immer wieder eingeredet bekommen, wie sie zu sein haben, ist es aus meiner Sicht absolut wichtig, sich die tiefer liegenden Themen anzuschauen und diese zu lösen.
Wie bist du aufgewachsen? Was hast du über das Frausein gelernt? Alle diese Fragen gehören dazu, denn die Themen Perimenopause und Wechseljahre könnten ja nicht weiblicher sein.

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